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Frauen zwischen den Fronten
Krieg und die Dominanz der Männer machen weibliche Selbstständigkeit in Kaschmir fast unmöglich

Tübinger Tagblatt (jma).
06.10.2007
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Die Regisseure des Dokumentarfilms „Women between the front lines – Voices from the women of Kashmir“ Ali Vorbrugg (links), Assabah Khan und Ella von der Haide.
Bild: Sommer

Wie leben Frauen in einer von Männern dominierten Gesellschaft, die seit sechzig Jahren von Grenzkonflikten geprägt ist? Dieser Frage gingen drei Regisseure nach und interviewten Frauen in Kaschmir. Ihr Film hatte am Donnerstag im Tübinger Erasmushaus Premiere.

„Ich träume davon ganz viele Frauen Rad fahren zu sehen“, sagt Assabah Khan, Journalistin und Menschenrechtsaktivistin aus dem indisch verwalteten Teil Kaschmirs. Ella von der Haide aus dem Regie-Team sitzt auf dem Podium neben ihr. Während ihres einmonatigen Aufenthalts in Kaschmir hat sie nur eine einzige Frau Fahrrad fahren sehen. Der Grund dafür sei nicht etwa ein gesetzliches Verbot, sondern die patriarchalen Strukturen vor Ort. Das müsse sich ändern. Da sind sich beide Frauen einig.

Über 40 Menschen sind zu der Premiere des Dokumentarfilms, der übersetzt „Frauen zwischen den Fronten – Stimmen der Frauen von Kaschmir“ heißt, am Donnerstagabend ins Tübinger Erasmushaus gekommen. Zu der Filmvorführung hatten die Informationsstelle Militarisierung, das ZAK (Zentralamerikakomitee) und die Bundestagsabgeordnete der Linken Heike Hänsel eingeladen.

In nächster Zeit soll der Film in weiteren Städten gezeigt werden. Heike Hänsel trug dazu bei dies zu ermöglichen, indem sie Assabah Khan half, ein Visum zu bekommen. Der Film porträtiert acht Frauen, die in der Region Kaschmir leben und arbeiten. Sein Ziel ist es, auf die Lebensverhältnisse in der umkämpften Grenzregion aufmerksam zu machen. Seit 1947 beanspruchen Indien und Pakistan dieses Gebiet. Eine UN-Resolution, die den Bewohnern Kaschmirs einen Volksentscheid über den Status der Region zusichert, wurde nie umgesetzt. Menschenrechtsverletzungen und Gefechte sind an der Tagesordnung.

Die Frauen leiden nicht nur unter den militärischen Auseinandersetzungen, sondern auch unter der von Männern dominierten Gesellschaft. Wichtig ist den Regisseuren Ali Vorbrugg, Ella von der Haide und Assabah Khan, Frauen nicht nur als Opfer, sondern auch als politisch Handelnde zu zeigen.

Keine offizielle Dreherlaubnis

So stellt der Film die kaschmirsche Nichtregierungsorganisation „Athwas“ vor, die Frauen zu sozialen und medizinischen Helferinnen ausbildet, also Hilfe zur Selbsthilfe leistet. Die Dokumentation thematisiert außerdem Bildung, häusliche Gewalt und die Probleme von Witwen und so genannten Halb-Witwen. Das sind Frauen, deren Männer vom Militär verschleppt wurden.

Nach dem Film begann eine kontroverse Diskussion über die politischen Verhältnisse vor Ort. Ein Mann aus Indien warf den Regisseuren vor, der Film sei zu einseitig aus pakistanischer Sicht geschildert. Dagegen wehrt sich Ella von der Haide. Es gehe nicht darum, einer Seite die Schuld zuzuschieben, sondern den Frauen dort eine Stimme zu geben. Beispielsweise spreche sich der Film gegen die terroristischen Ausbildungslager in Pakistan aus.

700 000 Soldaten und 14 Geheimdienste, die den Regisseuren zufolge in Kaschmir tätig sind, haben die Dreharbeiten extrem erschwert. Es gab keine offizielle Erlaubnis. Deshalb zeigt der Film vor allem Aufnahmen aus Privathaushalten, gedreht mit einer Handkamera vor allem im indisch verwalteten Teil Kaschmirs. Die Dreharbeiten dauerten gerade mal zwei Wochen.

Sollten die Regisseure erneut ein Visum bekommen, sind weitere Filme in Planung.

Quelle: http://www.tagblatt.de/?artikel_id=2022450

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